DIE ACH SOLL 2012 SICHER VOR HOCHWASSER SEIN

23.06.2010 | 08:10:30

LINDAU – Einige Tage nach dem Hochwasser in der Achstraße ziehen Stadtverwaltung und Wasserwirtschaftsamt eine positive Bilanz. Die bereits fertiggestellten Hochwasserschutzmaßnahmen hätten das Schlimmste verhindert. Ziel bleibt, dass die Ach Ende 2012 hochwassersicher ist. Undichte Kanäle bleiben ein Problem.

Von unserem Redakteur Michael Brandt

Im Rückblick ist der Bereich von Achstraße und Bleicheweg bei dem Hochwasser am Freitag ziemlich glimpflich davongekommen. Die Wassermenge, die durch die Ach kam, war deutlich größer als die beim Hochwasser 2002. Damals war aber nicht nur die Gegend um Achstraße und Hundweilerstraße geflutet, sondern es hieß auch auf der östlichen Seite des Flusses ziemlich weiträumig „Land unter“. Die Gärtnerei Sagawe stand unter Wasser, die dreckigbraunen Fluten ergossen sich dann über den Bleicheweg bis hin zur Bregenzerstraße.

Heuer war hingegen festzustellen, dass die Ostseite, abgesehen von einer größeren Pfütze im Sagawe-Bereich ziemlich verschont geblieben ist. Abgesehen davon, dass ein paar Gullis im Bleicheweg in der Höhe der Sparkasse Dreckwasser auf die Straße gurgelten. Kein Vergleich jedenfalls zu dem 2002er Hochwasser und alles in allem, so Oberbürgermeisterin Petra Seidl und Norbert Fichtl vom Wasserwirtschaftsamt, ein Beweis dafür, dass „die Maßnahmen richtig“ waren (Seidl), dass sie „sehr gut gegriffen haben“ (Fichtl).

Nach Worten von Fichtl sind derzeit etwa zwei Drittel der Hochwasserschutzmaßnahmen fertig. Es ist, wie berichtet – der Ausbau des Ach-Unterlaufs zwischen Mündung und etwa der Mitte der Achstraße einschließlich des aufwendigen Brückenneubaus. Es sind zweitens die Rückhaltebecken Hugelitz und Schlauenberg. Der weitere Plan, so Tiefbauamtschef Andreas Bucher, sieht so aus: Bis zum nächsten Frühjahr soll der Achausbau bis zur Höhe der Reutiner Straße fertig sein. Der entsprechende Bauabschnitt wurde vor vier Wochen begonnen. Bereits in diesem Herbst soll das nächste Wasserrückhaltebecken im Dunkelbuch fertiggestellt sein.

Fertig soll der Hochwasserschutz bis Ende 2012 sein. Bis dahin soll noch Folgendes geschehen sein. Das Rückhaltebecken an der Spitalmühle, das derzeit im Planungsstadium ist, soll gebaut werden. Zwei weitere Rückhaltebecken sollen in Oberreitnau-Nord (Richtung Doberatsweiler) und in Achberg gebaut werden. Darüber hinaus soll der Unterlauf noch über die Reutiner Straße hinaus in Richtung Stadion ausgebaut werden. Allerdings gibt es bei dem Zeitplan einen Unsicherheitsfaktor, und zwar die Tatsache, dass alle Bauwerke durch ein Planfeststellungverfahren müssen, und hier kann bekanntlich durch Einsprüche und ähnliches allerhand dazwischenkommen.

Darüber hinaus sollen, so OB Seidl, weitere Stellen, bei denen es am Freitag Probleme gab, genauer angeschaut werden. Das ist zum einen der Bach, der bei Schießstand die Kemptener Straße unterquert. Hier könne gegebenenfalls bei einem Durchlassrohr etwas geändert werden. Und auch bei der Krankenhausnotaufnahme suche man gemeinsam mit der Krankenhausverwaltung nach einer Lösung. Was in diesem Fall, so Tiefbauamtschef Bucher, aber nicht so einfach sei, da die Obstwiesen oberhalb eben nur eine bestimmte Menge Wasser aufnähmen. Wenn die erreicht sei, flösse das Wasser eben nach unten weiter. Überhaupt, so Seidl, werde es an manchen Orten, wo Wohnbebauung unterhalb von Gefällstrecken liegt, „immer Probleme geben“.

Problem Kanalisation

Ein weiteres Problem bleibt das Abwassernetz. Bucher berichtet, dass die Kläranlage bei normalem Wetter einen Zulauf von durchschnittlich 140 Liter pro Sekunde habe. Bei schlechtem Wetter könnten es auch mal 350 Liter sein, am Freitag waren es aber rund 1000 Liter. Mit anderen Worten, so Bucher, „unsere Kanäle waren bis obenhin voll“. Der Grund ist selbstverständlich nicht, dass die Lindauer bei Regen siebenmal so oft aufs Klo gehen wie bei schönem Wetter; sondern dass Wasser in die Kanäle fließt, das eigentlich gar nicht reingehört. Zum einen ist das Regenwasser, das durch verschiedene Abflüsse fälschlicherweise ins Schmutz- und nicht ins Regenwassernetz läuft. Teilweise liegt das laut Bucher daran, dass es in weiten Teilen von Aeschach und Reutin früher ein Gemischtabwassernetz gegeben hat und es aus diesen Zeiten noch immer einige Gullis und Abflüsse gebe.

Zum anderen gibt es ein Problem mit dem Grundwasser, das bei Hochwasserereignissen wie am Freitag ansteigt und dann in undichte Leitungen eindringt. Nachdem die Stadt ihr Kanalnetz im Bereich der Achstraße saniert hat, seien dies oftmals die Zuleitungen von den Privatgrundstücken ins öffentliche Netz. In Absprache mit den Grundstückseigentümern seien hier in den vergangenen Monaten die Kanäle untersucht worden, mit – so OB Seidl – „unterschiedlichem Ergebnis“. Es gebe intakte Anschlüsse, es gebe aber auch defekte. Bis vor der Sommerpause jedenfalls sollen die Untersuchungen ausgewertet sein. Dann will die Stadt die Eigentümer ansprechen und „gemeinsam nach einer Lösung suchen“.

Schließlich raten OB Petra Seidl, Tiefbauamtschef Bucher und Feuerwehrkommandant Robert Kainz nachdrücklich zu Installation von sogenannten Rückstoßventilen. Sie verhindern, dass bei Unwettern der Keller überläuft, weil der Druck in der Kanalisation zu hoch wird. Die Ventile kosten laut Bucher 150 bis 200 Euro. Und der Preis steht in keinem Verhältnis zu den Kosten, dem Chaos und dem Gestank, die es gibt, wenn ein Keller überläuft.

Oberbürgermeisterin Petra Seidl und Kommandant Robert Kainz standen am Freitag selbst im Wasser, das die Achstraße überflutet hat. Doch spätestens in zwei Jahren soll die Ach so ausgebaut sein, dass Überschwemmungen ausgeschlossen sind. Foto: Christian Flemming

Quelle: Lindauer Zeitung, 23.06.2010


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